Personenblatt


Name Sethus Calvisius (Kallwitz)
Geburt Datum 21 Feb 1556
Geburt Ort 06577 Gorsleben
Tod Datum 24 Nov 1615
Tod Ort 04103 Leipzig
Beruf Komponist, Musiktheoretiker und Kantor sowie Arstonom und Mathematiker, Thomaskantor
Vater Jakob Kallwitz (<1530-1564)
Mutter Elisabeth Kruse (<1532->1594)
Ehegatten:
1 Magdalena Junge
Geburt Datum 1573
Tod Datum 13 Feb 1618
Tod Ort 04103 Leipzig
Vater Hans Junge (<1552-1602)
Mutter Magdalena Götze (<1556-1601)
Ehe Datum 10 Feb 1595
Ehe Ort 04103 Leipzig
Kinder: Sethus (1606-1663)
Notizen zu Sethus Calvisius (Kallwitz)
Quelle:
Beck, Hermann, "Calvisius, Sethus" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 100 f. [Onlinefassung];
URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11643290X.html

Genealogie
V Jak. Kallwitz, Tagelöhner; M Elis. Kruse; ? 10.2.1595 Magd. († 13.2.1618), T des Bäckers Hans Junge in Leipzig; 2 S, 1 T.

Leben
1569 drei Jahre in Frankenhausen als Schüler (aus Leichenpredigt)
Seit 1572 war C. als „Kurrende“-Schüler in Magdeburg auf sich selbst gestellt. An welcher Schule er dort seine wohl vorwiegend humanistische und musikalische Ausbildung genoß, ist ungewiß. Von Bedeutung könnte für ihn der Unterricht oder zum mindesten die Bekanntschaft Gallus Dreßlers gewesen sein, der bis 1576 als Kantor in Magdeburg weilte. Obgleich schon 1576 an der Universität Leipzig immatrikuliert, nahm er dort erst 1580 nach einem vorausgehenden Universitätsjahr in Helmstedt seine Studien auf. Als Musiker bereits namhaft, wurde ihm 1581 das Kantorat an der Paulinerkirche zu Leipzig übertragen. 1582 folgte ein Ruf als Kantor und Lehrer für Hebräisch an die Fürstenschule Pforta. Im Mai 1594 wurde er Thomaskantor in Leipzig als Nachfolger Valentin Ottos. Nicht nur als Musiker und Musiktheoretiker, auch als Astronom und Sprachwissenschaftler erwarb er sich in jenen Jahren einen bedeutenden Ruf. Sein astronomisches Hauptwerk „Opus chronologicum“ (Leipzig 1605, Frankfurt 51685) brachte ihm den Briefwechsel mit ?Johannes Kepler. Berufungen an die Universitäten Frankfurt/Oder und Wittenberg, denen er jedoch nicht gefolgt ist, zeugen von dem anerkannten Rang seiner Arbeiten. Mit dem Wolfenbüttler Hofkapellmeister Michael Praetorius stand C. in persönlichem und brieflichem Verkehr; die Musiktheoretiker ?Johannes Lippius und Heinrich Baryphonus waren seine Schüler.

C. Musiklehre, gegliedert in Elementarlehre (Compendium musicae, 1594, 21612 unter dem Titel: Musicae artis praecepta; Exercitatio musica tertia, Leipzig 1609) und Kompositionslehre (????p???a sive melodiae condenda ratio …, Erfurt 1592, 21630), fußen auf Zarlino (Institutioni harmoniche, 1558). Zusammenfassende Überschau und sinnvolle Pädagogik in der Darstellung sind sein Hauptverdienst. Obgleich noch in der Musikanschauung der Renaissance verwurzelt, weisen einige seiner Gedanken auf die barocke Musiklehre voraus, so die besondere Bedeutung, die er der Instrumentalmusik beimißt, die Aufgabe der mensuralen Ligaturenlehre und der Proportionen, die durch den einfachen Zweier- und Dreiertakt ersetzt werden, die Erweiterung des alten Hexachords zur siebentönigen Skala, wozu er die Solmisation (ut re mi fa sol la) durch die Silbe „si“ ergänzte und sich an anderer Stelle für ein neues Bezeichnungssystem, die „Bocedisation“ (bo ce di ga lo ma ni) einsetzte. Der 2. Teil der „Exercitationes musicae duae“ (Leipzig 1600) ist eine der ältesten Geschichtsdarstellungen der Musiktheorie. - C. Kompositionen stehen der deutschen Renaissancemusik etwa Leonhard Schröters oder Dreßlers nahe. Mehr konservativ in seiner Satztechnik, schuf er eine herbe Kontrapunktik, die sich von der leuchtenden Farbigkeit eines Jacobus Gallus oder Hans Leo Haßler unterscheidet. Nur in seinen „Harmoniae cantionum ecclesiasticarum“ von 1597 geht er zu einer mehr affektbetonten homophonen Satzweise über, die den Beginn des Barockstils ahnen läßt.

Werke
Weitere Werke Abhandlung(en): Exercitationes musicae tres …, Leipzig 1611 (= Zweitaufl.); Formula Calendarii novi …, Heidelberg 1613; Elenchus Calendarii Gregoriani …, Leipzig 1613; Thesaurus latini sermones …, ebenda 1614; Enchiridion lexici Latino-Germanici …, ebenda 1614; Kompositionen: Hymni sacri Latini et Germanici …, Erfurt 1594; Harmonia cantionum ecclesiasticarum …, Leipzig 1597, 51622; Bicinia septuaginta …, ebenda 1599, 21612: Biciniorum libri duo …, ebenda 1612; Tricinia …, ebenda 1603; Der Psalter Davids, ebenda 1605 (nach Gedichten von, vor Cornelius Becker); Der 150. Psalm Davids, ebenda 1615; Unser Leben währet siebnzig Jahr, ebenda 1616; 7 Motetten im „Florilegium“, ebenda 1603; einzelne hs. Werke in versch. Bibl.; s. a. Eitner I, S. 288.

Literatur
ADB III; Lpr., Von d. Musica …, in: Mhh. f. Musikgesch. 3, 1871, S. 14; C. v. Winterfeld, Der ev. Kirchengesang I, 1843; K. Benndorf, S. C. als Musiktheoretiker, in: Vjschr. f. Musikwiss. 10.1894, S. 411 ff.; ders., Calvisiana, in: Mhh. f. Musikgesch. 33, 1901, S. 85 ff.; R. Wustmann, Musikgesch. Leipzigs I, 1909; H. J. Moser, Gesch. d. dt. Musik I, 1920, S. 510 ff.; A. Adrio in: MGG (Werke, Literatur, Kupferstich(e) von, vor Wolfgang Kilian).

Portraits
Zahlr. Stiche (Bibl. Nat. Nat. Paris, Kupf. Kab. Dresden, P -Slg. d. Dt. Mus. München).

Autor
Hermann Beck

aus Leichenpredigt:
3 Söhne und eine Tochter, ein Sohn vor ihm gestorben
Zuletzt geändert 19 Dez 2019 Erzeugt 20 Jul 2022 durch Familiendaten für Windows

Inhalt * Index * Nachnamen * Kontakt